Das Smartphone als Zollhäuschen

Wer von Schweden aus durch die hügelige Landschaft entlang von Weiden, Kühen und Wäldern zur norwegischen Grenze fährt und diese auf einer der vielen kleinen Landstraßen überquert, den erwartet kein Grenzhäuschen mehr. Es reicht der eigenständige Griff in die Hosentasche zum Smartphone. Und das, obwohl beide Länder zwar Unterzeichner des Schengener Abkommens sind, Norwegen aber nicht Mitglied der Europäischen Union ist. Sowohl seinen privaten Alkohol- und Tabakvorrat wie auch gewerbliche Exporte von Spediteuren können Grenzgänger dem norwegischen Zollamt seit Sommer 2016 bequem elektronisch melden. Lange Staus mit hupenden Autofahrern, die in den norwegischen Sommerurlaub fahren, gibt es nicht mehr. Die Grenzbeamten kontrollieren lediglich stichprobenartig, aber selbst dann reicht es, das Handy mit dem Barcode-Beleg als Beweis aus dem Wagenfenster zu halten. Richtig durchsucht werden nur noch gewerbliche Spediteure, aber auch bei ihnen geht das, ohne die Fracht auszuladen: Der Lkw fährt in einen großen Scanner, der den Lastwagen durchleuchtet. Lässt sich keine Eintragung der Fracht in der Zoll-App feststellen, ruft das die norwegische Polizei auf den Plan. Mehr unter: https://www.heise.de/tr/artikel/Der-digitale-Vorhang-4282988.html

Smart Border im Brexit

Auf meiner journalistischen Reise durch Irland und Nordirland im Herbst 2018 habe ich ein faszinierende Problematik untersucht: Zum ersten Mal in der Geschichte Europas könnte eine Grenze durch Künstliche Intelligenz gestaltet werden. Die jahrezehntelang umkämpfte Grenzlinie zwischen Irland und dem britischen Nordirland ist seit dem Brexits erneut zum zentralen Konfliktthema in den Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien geworden. Die Landgrenze soll durch eine “unsichtbare Markierung” konfiguriert werden – die Smart Border. Wie eine „Smart Border“ im Detail funktioniert, erklärt ich hier im Deutschlandfunk:

Durch den Einsatz von Gesichtserkennung, Zollabfertigung durch automatische Nummernschilderkennung, GPS-Routing  und “nicht-invasive Verfahren” sollen Privatpersonen und Lastwagen am unsichtbaren Grenzübergang überwacht werden. Die “Smart Borders 2.0” gelten nicht nur als Pilotprojekt für irische Straßen, sondern sollen später auf der Ärmelkanalroute vom französischen Calais nach Dover eingesetzt werden.