Fachkräftemangel in der IT-Branche

Männer und Frauen in der IT: Gibt es wirklich Chancengleichheit in Deutschland?

Der Mann arbeitet, die Frau macht den Haushalt und zieht die Kinder groß – ein Bild aus längst vergangenen westdeutschen Zeiten? Nein, zeigen uns die aktuellen Zahlen. Nach wie vor sind die Rollenbilder stark, und das hat auch Auswirkungen auf den Anteil von Frauen in der IT-Branche.

Wenn es um den extremen Unterschied der Zahl von Frauen und von Männern in der IT-Branche geht, stellt sich die Frage, warum sie so unterschiedliche Berufe ergreifen, obwohl beide Geschlechter dieselben verbrieften Rechte wie Berufsfreiheit besitzen. In welchen Bereichen gibt es zwischen der theoretischen Chancengleichheit und der tatsächlichen Umsetzung noch deutliche Geschlechterunterschiede?

Zur Beantwortung der Frage hat Golem.de ausgewählte Statistiken zusammengefasst, um den aktuellen Stand der Gleichberechtigung zu verdeutlichen. Es zeigt sich, dass die unterschiedliche Berufswahl noch stark an den traditionellen geschlechtsspezifischen Mustern von Kindererziehung und Geldverdienen hängt.

Männer weniger in Pflegeberufen als Frauen

So entscheiden sich zum Beispiel Männer weniger für soziale Berufe als Frauen: In der schulischen Ausbildung zum Krankenpfleger lag der Männeranteil im Ausbildungsjahr 2017/2018 laut Statistischem Bundesamt bei 19 Prozent. Ein Grund für den geringen Männeranteil könnte die niedrige Bezahlung der Pflegeberufe darstellen.

Weiterleisen auf https://www.golem.de/news/maenner-und-frauen-in-der-it-gibt-es-wirklich-chancengleichheit-in-deutschland-1911-143094.html

Mädchen und IT: Fehler im System

Bis zu einem gewissen Alter sind Jungen und Mädchen gleichermaßen an Technik interessiert. Wenn es dann aber um die Berufswahl geht, entscheiden sich immer noch viel mehr junge Männer als Frauen für die IT. Ein wichtiger Grund dafür ist in der Schule zu suchen.

von Valerie Lux für Golem.de

„Es war super merkwürdig“, erzählt Telle Whitney über ihre Erinnerung an den ersten Computerkurs auf dem College im Jahr 1973 im US-Bundesstaat Utah. „Die Männer um mich herum waren nicht an Frauen gewöhnt.“ Jedes Mal, wenn sie in der Nähe gewesen sei, hätten ihre Klassenkameraden sich sichtbar unwohl gefühlt und Augenkontakt vermieden. Wenn einer von ihnen versucht habe, ein Gespräch mit ihr zu führen, und sei es auch nur über das Wetter, sei er jedes Mal so nervös geworden, dass er oft in der Mitte des Satzes aufgehört habe zu sprechen.

Die Schilderungen der Informatikerin Whitney stammen aus dem Buch Brotopia – Breaking Up the Boys‘ Club of Silicon Valley der US-Technikjournalistin Emily Chang. Obwohl die Anekdote schon 40 Jahre her ist, ist sie vermutlich auch noch heute aktuell. Nach wie vor liegt der Anteil der Frauen unter IT-Spezialisten in Deutschland bei nur 17 Prozent. Der Verdacht liegt nahe, dass die Strukturen des Boys‘ Club schon in der Kindheit und Jugendalter angelegt werden. Was passiert in diesem Alter….weiterlesen auf:

https://www.golem.de/news/maedchen-und-it-fehler-im-system-1910-141848.html

Vom Kommentar zum Argument (3/3)

Warum die Kommentierungsfunktionen in sozialen Medien abgeschaltet und durch Argumente ersetzt gehört. Folge 3 der Reihe „Wie Hate Speech vermieden werden kann“.

Wer als Plattformbetreiber eine konstruktive Debatte im Netz ohne Beleidigungen ermöglichen möchte, der muss seine Kommentierungsfunktion aufräumen. Denn: Ordnung ist das halbe Leben. Es sind nur wenige Anreize im graphischen Aufbau eines Forums, die dazu führen könnten, dass ein Argument und nicht ein verächtliches Kommentar Beleidigung in Vordergrund rückt. Statt dass sich Nutzer mit ihren subjektiven Einschätzungen die Keule um die Ohren schlagen und ihren Wut auf die Politikelite zum Fenster herauskotzen, kann man durch den geschickten Einsatz von „User Experience“-Elemente ihre Wut kanalisieren, um wirkliche Argumente herauszukristallisieren und einen sachlichen Diskurs zu ermöglichen. Das Wichtigste zuerst: Die Journalistin muss eine Frage an die die LeserInnen stellen. Ohne Frage bleibt die Kommentarspalte geschlossen. Im Folgenden stelle ich das Design von sachlichen Argumentationen, wie er unter einem Artikel über die Konkurrenz zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz aussehen könnte:

Die Ordnung ermöglicht Nutzern ihre Ansichten zu kategorisieren. Durch die Kategorisierung wird es überhaupt möglich, sich einen Überblick über die Argumente in einer Debatte zu verschaffen. In diesem Design eines „Argumentebaums“ kann ein tatsächlicher Austausch von Meinungen zum Vorschein kommen, ohne dass andere Nutzer, Politiker oder Journalisten beschimpft werden. Dadurch, dass keine Benutzernamen veröffentlicht werden, steht das Argument und nicht der Kommentator im Vordergrund.

Die Graphik mit dem Argumentebaum oben kann eine wesentliche Verbesserung zu einem friedlichen Diskurs darstellen. Zum Vergleich unten, eine reguläre, chronologische Debatte. Hier werden Nutzer aufgefordert werden, ohne vorherige Fragestellung, ihre subjektiven Einschätzungen zu äußern:

SPIEGEL- ONLINE: Kommentare unter dem Artikel „Annegret Kramp-Karrenbauer gewinnt die Wahl zur Parteivorsitzenden“ (08. Dezember 2018)

Das Start-Up „Kialo“ aus Washington hat diese sogenannte „rationale Debatte“ perfektioniert. Wie man wirklich ordentlich diskutiert ist hier zu sehen: kialo.org

Stellt mir eine Frage! (2/2)

Es ist einfach für Onlinemedien, ihre Kommentarspalten nicht wie Stammtischdebatten aussehen zu lassen. Folge 2 der Reihe „Wie Hate Speech Im Netz vermieden werden kann“

Egal ob man bei Faz.net einen Artikel über Trumps Moskaubeziehungen liest, bei dem Standard.at eine Nachricht über Türkeis Rüstungsgeschäfte oder einen Beitrag Wunderpillen zum Abnehmen bei Focus.de: In den Kommentarspalten dominiert der Ton der Verachtung. Redner und Zuhörer unter einem Artikel kennen sich nicht. Die absolute Anonymität auf medialen Plattform führt nicht dazu, dass in diesem Diskurs Gedanken tiefsinniger ausgeführt werden. Im Gegenteil: Die Identitätslosigkeit der Kommentare bietet einen Anreiz, subjektive und verachtende Einschätzungen spontan zu äußern.

Diese Form der Rede nennt man nicht Dialog, sondern Selbstgespräch. Ein zentraler Punkt wie Hate Speech vermieden werden kann, ist, keine Selbstgespräche zuzulassen. Der jetzige Aufbau von Foren lädt nicht dazu, miteinander zu interagieren. Das weiß leuchtende Kästchen nach einem Artikel mit der Überschrift „Kommentar schreiben“ ist keine Aufforderung, sich mit der bereits bestehenden Debatte unter dem Artikel vertraut zu machen, oder gar den Standpunkt anderer Kommentatoren zu vollziehen. Im Gegenteil: Das Design ist eine Einladung, das was einem spontan im Kopf ist, auf die Tastatur zu gießen. Deswegen sehen Kommentarspalten in der virtuellen Welt von außen aus wie zusammenhangslos aneinandergereihten Selbstgespräche. Nur selten aufeinander Bezug nehmend, wabern diese Sprechblasen negativer Gedanken durch das Forum.

Die Renaissance von Opa Werner

Onlinemedien bieten Opa Werner an, der früher am Stammtisch hinter der Bartheke nach 22 Uhr anfing, seinen Unmut über die Welt zu äußern, seine negativen Äußerungen nicht nur der Bardame, sondern allen Lesern von politischen Nachrichten zu präsentieren. Konnte Opa Werner seine negative Energie im nächsten Glas Bier ertränken, ist sie heute durch das Forum schriftlich fixiert und ist für alle Zeiten einseh- und abrufbar. Nun hat auch Opa Werner die Berechtigung, seine politische Meinung zu äußern. Wenn jedoch in den Kommentarspalten zu 90% Menschen vom Schlag des Stammtisch Opas äußern, wird der Diskurs verzerrt.

Warum gelten die spontanen Gefühlswallungen von Stammtischdebatten nicht als konstruktiver Dialog? Weil es an einer zentralen Frage mangelt, auf die sich alle beziehen. Hier kommen wir zu dem Dreh- und Angelpunkt eines gelungen Gespräch: Dem roten Faden.

Ohne eine zentrale Leitfrage, kann kein sachlicher Dialog entstehen

Die Debatte von Onlinekommentaren wirkt von außen wie eine Gruppe von Orks, die darauf warten, sich gegenseitig verbal abstechen, weil ihnen die Existenzberichtigung für den Diskurs fehlt. Und warum fehlt der Grund für eine Debatte? Weil die Frage steht, worüber wir überhaupt debattieren wollen. Am Anfang jeder Podiumsdiskussion, jeder Talkshow, jedes journalistischen Kommentars steht eine Frage. Ohne eine Frage, auf die jeder Gesprächspartner bezieht, ist jede Diskussion zu Beginn verloren. Wer möchte schon gerne einer Diskussion zuhören, bei der der Moderator einfach in einen Saal voller Menschen geht, eine Nachricht verliest, und dann wieder herausgeht und die Tür hinter sich zuschlägt? Doch das ist Zustand, in dem Onlinemedien ihre Leser unter ihren Artikeln debattieren lassen. Man „wirft“ einer Gruppe von Menschen eine Information hin und beobachtet dann, wie sie sich über den Inhalt tun. Das ist vielleicht für einen Onlinesoziologen interessant, für die meisten anderen Nachrichtenkonsumenten keine Hilfe in der Erarbeitung ihres politischen Standpunkts. Was folgt ist Resignation des nicht kommentierenden Nutzers beim Herunterscrollen über eine Debatte, die immer und ständig aus dem Ruder läuft. Dass sich gegenseitig Kommentatoren über ihre Meinung verhöhnen ist die Regel, nicht die Ausnahme. Ab und zu läuft ein Beauftragter noch einmal in den Saal herein und zerrt die Herrschaften heraus, die zu laut herumbrüllen, aber das war es schon mit „Moderation“.

Screenshot: Kommentare der ZEIT-Online Redaktion unter dem Beitrag „US-Marineschiff zerstört mutmaßlich iranische Drohne“ (19. Juli 2018)

Wie kann man den Diskurs in sachliche Bahnen lenken, ohne komplett die Kommentarspalten zu schließen? Ein erster Schritt ist, eine konkrete Frage zu stellen. Jeder Journalist, der für Onlinemedien publiziert, sollte sich also bei jedem Nachricht überlegen, ob sich aus dem Inhalt seines Artikels eine Leitfrage für die Diskussion heraus destillieren lässt. Ist es ein Artikel über ein Militärmanöver in einer anderen Weltregion, kann sich die Frage gestellt werden, ob diese Nachricht beispielsweise eine Auswirkung auf das Verhalten der deutschen Außenpolitik haben sollte. Diese Frage kann der Autor an das Ende seines Artikels stellte. Sie ist untrennbar mit der Kommentierungsfunktion verbunden und Nutzer werden eingeladen, diese (und nur diese!) Frage zu beantworten.

Auf diese Art und Weise fühlen sich Leser ernstgenommen, denn sie werden in ein Gespräch eingeladen. Wer Menschen destruktiv miteinander diskutieren lassen will, der wirft ihnen Informationsbrocken hin, doch wer eine konstruktive Debatte anstrebt, der stellt ihnen eine Frage. Mit einer Frage, die Foren vorangestellt wird, kann die Wahrscheinlichkeit der Rülpser reduziert werden. (lux)

Warum das Internet ein Räuber-und-Gendarm-Spiel sein muss (1/1)

Warum Anonymität nicht in das Internet gehört. Folge 1 der Reihe: „Wie Hate Speech vermieden werden kann. „

Wer im Netz durch Nachrichtenportale surft wird meist häufig mit Einschätzungen anderer Nutzer zum Weltgeschehen konfrontiert. Diese Kommentare sind oft in einem verachtenden und negativen Ton formuliert. Es scheint, als herrsche ein unausgesprochener gesellschaftlicher Konsens zwischen seriösen Medien und sozialen Medien, die digitale Gewalt seiner Nutzer als „normal“ hinzunehmen. Denn: Wer soll denn die Flut an abwertenden und beleidigenden Kommentaren noch moderieren können? Wer online Nachrichten konsumiert oder sich in sozialen Netzwerken tummelt, der muss halt Beleidigungen und Verachtung tolerieren. Wir haben immerhin Meinungsfreiheit, oder? So lautet meist das achselzuckende Verdikt von den Befürwortern unregulierter Kommunikation im Internet.

Die Ansicht, dass der, wer an einem Onlinediskurs teilnimmt, zwangsläufig gewalttätigen Ton akzeptieren muss, ist das größte Missverständnis des digitalen Zeitalters. Es ist eine Kapitulation vor den Schreihälsen. Eine sachliche Debatte ist möglich, sie muss nur mit einem entsprechenden Rahmen versehen werden. Die folgenden Überlegungen richten sich an die Verantwortlichen der Online-Auftritte von Leitmedien. Einer der wichtigsten Punkte: Anonyme Kommentierungsmöglichkeiten müssen abgeschafft werden.

Für eine sachliche Debatte muss ich die Empfänger meiner Botschaft kennen.

In der Kommentarfunktion von Onlinemedien geht es drunter und drüber. Eine Nachricht wird von dem Medium veröffentlicht und dieses gibt Lesern die Möglichkeit, zu kommentieren. Was folgt ist – Chaos. Egal ob Spiegel-Online, SZ oder Heise-Online: Die Leute, die kommentieren, wissen nicht, wer eigentlich ihre Nachricht liest, geschweige denn, an wen sie sich richtet. Kommentiere ich, weil ich den Journalist auf etwas aufmerksam machen will? Oder schreibe ich gerade eine Bewertung für andere Nutzer? Oder richtet sich meine Botschaft eigentlich an einen Protagonisten, der in dem Artikel auftaucht? Da ich meine Empfänger nicht kenne, ist der Anreiz höher, die eigene Meinung möglichst dramatisch zu verpacken. In der Kommentarspalte muss jeder um die Aufmerksamkeit der anderen kämpfen. Da man einer anonymen Masse gegenüber steht, muss man lauter schreien. Die Verwirrung, wer der Empfänger der Botschaft ist, führt dazu, dass Onlinediskurse unnötig emotional aufgebläht werden, denn ihre Gesprächsteilnehmer müssen damit rechnen, dass sie ohne markige Worte von den Anderen nicht beachtetet werden.

Kommentar ohne Empfänger
Kommentar mit Empfänger Annegret-Kramp-Karrenbauer
Kommentar mit Empfänger Journalist

Screenshots am 17. Juli 2019 in der Kommentarspalte von Spiegel-Online unter der Nachricht “ „Kramp-Karrenbauer wird Verteidigungsministerin Vollbremsung plus Kehrtwende“ von Florian Gathmann

Würde jemand in der analogen Welt vor den in Glasschaukästen ausgestellten Zeitungsseiten vor einem Verlagshaus stehen und seine Meinung zu einem der dort behandelten Themen herausbrüllen, würden wir ihn für verrückt erklären. In der Onlinewelt gilt er als „normal“. Wer also eine Plattform zur Verfügung stellt und die Empfänger der Nachricht nicht benennt, muss sich nicht wundern, wenn die Absender versuchen, sich in der drastischen Wortwahl und Lautstärke zu übertrumpfen.

Für ein gelungenes Gespräch, muss ich wissen, wem ich überhaupt zuhöre – also den Absender eines Gesprächsbeitrag kennen.

Es sind diese simplen Wahrheiten, die im Onlinediskurs nicht beachtet werden, weswegen eine gewalttätige Kommunikation vorherrschend ist. Warum wird Nutzern von Medien die Möglichkeit gegebene, sich anonym zu äußern? Diese Funktion der Anonymität lässt sich rechtfertigen, wenn wir in einer Diktatur lebten und jede Form einer kritischen Meinungsäußerung drakonisch bestraft würde. Dann wäre die Kommentarspalte von Onlinemedien tatsächlich ein Rückzugsort für Andersdenkende und Dissidenten, um einen nicht regierungstreuen Diskurs zu gestalten. Jetzt sind die Kommentarspalten von Medien ein Rückzugsort für Bürger, die andere für die Schuld an der Misere der Welt verantwortlich machen. In einer freiheitlichen Demokratie kippen anonyme Meinungsäußerungen im Netz somit in das Gegenteil herum: Die Decknamen werden gebraucht, um demütigende und abwertende Kommentare gegenüber Menschen mit Ämtern (Politikern), Menschen mit Informationsauftrag (Journalisten) und unterrepräsentierten Gruppen (Frauen, Migranten, Homosexuellen) zu artikulieren. Das, was „man wegen politischer Korrektheit nicht sagen darf“ ist der beste Freund der Anonymität. Da seriöse Journalisten von Leitmedien nicht systematisch gegen Minderheiten hetzen, ist ein zusätzlicher Anreiz gesetzt, das sich Nutzer dazu berufen fühlen, diese mediale „Lücke“ in den Kommentaren auffüllen zu müssen. Ich denke, es besteht eine Verbindung zwischen der Ausgewogenheit eines Artikels und der verbalen Heftigkeit von Kommentatoren. Je vielfältiger die recherchierten Perspektiven des Artikels, umso tendenziöser die Kommentare und der verweifelte Versuch einiger weniger, den Diskurs wieder in Schwarz-Weiß-Bahnen zu lenken: Die (Flüchtlinge) sind schuld am wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands, Die (Frauen) müssen für den Niedergang der Politik verantwortlich gemacht werden, die (Schwule) führen zu einem Wertverfall in der Gesellschaft.

Direkte Klarnamenpflicht

Wegen seiner politischen Meinung wird in Deutschland niemand durch das Gesetz verfolgt. Wer doch verfolgt wird, der sollte sich an die Polizei werden. Wer Angst hat, Repressionen seines Arbeitgebers zu fürchten, wenn er mit Klarnamen politische Äußerungen im sachlichen Ton macht, die auf dem Boden der Verfassung stehen, der sollte sich dazu berufen fühlen, mit seinem Arbeitgeber über das Gut der Meinungsfreiheit in Deutschland zu debattieren. Wer das im Internet schafft, der sollte das auch mit realen Menschen schaffen. Wer eine substantiell andere politische Meinung als die seines Arbeitgebers vertritt, der sollte sich fragen, warum er seine Meinung nicht direkt gegenüber Verantwortlichen artikultiert und stattdessen ein Forum als „Hintertürchen“ des Dampfablassens sucht, um eine Konfrontation zu vermeiden. Ein interner Dialog mit seinen Kollegen ist effizienter, als auf die eigene Anonymität im Forum eines beliebigen Mediums zu pochen. Wer sich auf Anonymität beruft, um seine subjektive Branchenerfahrung in einem Forum wiedergeben zu können, der ist vermutlich besser aufgehoben, die tatsächlichen Misstände direkt an einen Journalisten oder der Staatsanwaltschaft zu reportieren. Dafür braucht es Mut. Eine Eigenschaft, die zu erlangen weitaus erstrebenswerter ist, als die Möglichkeit, sich grummelnd anonym zu beschweren.

Indirekte Klarnamenpflicht

Eine andere Möglichkeit, den Onlinediskurs zu disziplinieren, und Anonymität zu wahren, ist die indirekte Klarnamenpflicht. Bevor man sich in das Getümmel im Forum stürzt, kann eine Identitätskontrolle per Webcam stattfinden. Sie kann über einen externen Dienstleister erfolgen, das heißt, weder die Redaktion noch die Regierung haben Zugriff auf die Daten. Das Ziel ist es, jeden Nutzer klar mit einem Personalausweis zu „matchen“. Das wäre eine DSGVO-konforme Vorgabe der Identifizierung, wie sie bei jeder Bankkontoeröffnung geschieht. Jedem Nutzer wird ein nicht veränderbarer anonymer Alias zugewiesen und sie oder er kann sich nicht mehrfach im Forum registieren und damit den Diskurs verfälschen. Wer weiß, dass seine Daten erfasst sind, mäßigt sich automatisch im Tonfall. Und wenn die Redaktion den Raum des virtuellen Gesprächs auch noch mit einer Frage schmückt, ist man einer konstruktiven Debatte schon wesentlich näher: Hier geht es weiter.

(lux)