Vom Kommentar zum Argument (3/3)

Warum wir die Kommentierungsfunktionen in sozialen Medien abgeschaltet und durch Argumente ersetzt gehört. Folge 3 der Reihe „Wie Hate Speech vermieden werden kann“.

Wer als Plattformbetreiber eine konstruktive Debatte im Netz ohne Beleidigungen ermöglichen möchte, der muss seine Kommentierungsfunktion aufräumen. Denn: Ordnung ist das halbe Leben. Es sind nur wenige Anreize im graphischen Aufbau eines Forums, die dazu führen könnten, dass ein Argument und nicht ein verächtliches Kommentar Beleidigung in Vordergrund rückt. Statt dass sich Nutzer mit ihren subjektiven Einschätzungen die Keule um die Ohren schlagen und ihren Wut auf die Politikelite zum Fenster herauskotzen, kann man durch den geschickten Einsatz von „User Experience“-Elemente ihre Wut kanalisieren, um wirkliche Argumente herauszukristallisieren und einen sachlichen Diskurs zu ermöglichen. Das Wichtigste zuerst: Die Journalistin muss eine Frage an die die LeserInnen stellen. Ohne Frage bleibt die Kommentarspalte geschlossen. Im Folgenden stelle ich das Design von sachlichen Argumentationen, wie er unter einem Artikel über die Konkurrenz zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz aussehen könnte:

Die Ordnung ermöglicht Nutzern ihre Ansichten zu kategorisieren. Durch die Kategorisierung wird es überhaupt möglich, sich einen Überblick über die Argumente in einer Debatte zu verschaffen. In diesem Design eines „Argumentebaums“ kann ein tatsächlicher Austausch von Meinungen zum Vorschein kommen, ohne dass andere Nutzer, Politiker oder Journalisten beschimpft werden. Dadurch, dass keine Benutzernamen veröffentlicht werden, steht das Argument und nicht der Kommentator im Vordergrund.

Die Graphik mit dem Argumentebaum oben kann eine wesentliche Verbesserung zu einem friedlichen Diskurs darstellen. Zum Vergleich unten, eine reguläre, chronologische Debatte. Hier werden Nutzer aufgefordert werden, ohne vorherige Fragestellung, ihre subjektiven Einschätzungen zu äußern:

SPIEGEL- ONLINE: Kommentare unter dem Artikel „Annegret Kramp-Karrenbauer gewinnt die Wahl zur Parteivorsitzenden“ (08. Dezember 2018)

Das Start-Up „Kialo“ aus Washington hat diese sogenannte „rationale Debatte“ perfektioniert. Wie man wirklich ordentlich diskutiert ist hier zu sehen: kialo.org