Crowdfinanzierung

Seit Anbeginn der Digitalisierung verlieren Banken immer mehr die Vormachtstellung für das exklusive Verfügung von Geld: Crowdfinanzierung steht für die Demokratisierung der Kreditvergabe. 

Crowd bedeutet auf Englisch Schwarm. Wer heute ein Unternehmen gründen will, kann sich auf zahllosen Online-Portalen von einem Schwarm unterstützen lassen. Diese Gruppe setzt sich aus vielen kleinen Privatanlegerinnen zusammen. Der entscheidende Vorteil zur herkömmlichen Kapitalsuche, liegt darin, dass man als Unternehmerin geringe Geldbeiträge von sehr vielen Investorinnen einsammelt und damit nicht von einer einzigen großen Institut, wie der Bank, abhängig ist.

Mittels der Crowdfinanzierung, lassen sich Ideen von „durchgeknallten“ Gründungswilligen leichter finanzieren, die zwar bei der Kreditvergabe einer herkömmlichen Bank durchfallen würden, deren wilde Geschäftsideen jedoch durchaus disruptives Potential besitzen könnten. Die Digitalisierung des Bankensektors hilft also dem verkannten Genie.

Digitale Pioniere schwören auf die „Schwarmintelligenz“ dieser Finanzierungsmöglichkeit. Aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungshorizonte und Perspektiven innerhalb einer großen Gruppe von Menschen, würde die Crowd mit höherer Wahrscheinlichkeit in das gewinnversprechendste Unternehmen investieren. Wenn sich eine große Anzahl individueller Investorinnen  unabhängig für ein Unternehmen entscheide,  können das nur bedeuten, dass diese Investition tatsächlich erfolgsversprechender als eine andere ist.  Eine Bankbeamtin, die alleine eine Entscheidung für die Kreditvergabe treffen muss, wäre hier im Nachteil, denn ihr Erfolgsquotient für die tatsächliche Rückzahlung der Kredite läge unter Umständen geringer.

 

crowdfunding
Viele kleine Schwärmer unterstützen eine Unternehmensidee.

 

Unternehmen, die ihre Geschäftsidee crowdfinanzieren lassen, unterliegen auf der Plattform nicht denselben strengen Informationspflichten wie auf dem klassischen Kreditmarkt. Crowdfunding gehört zum Bereich des „grauen Kapitalmarkt“, das bedeutet, die dortigen Anlagegeschäfte sind nicht von der BaFin reguliert.  Gerade bei Kleinstbeträgen, liegt das Risiko für Anlegerinnen deutlich höher. Veräußern Firmen ihre Anteile auf den Plattformen jeweils unter 1000 Euro, besteht keine Verpflichtung zur Auskunft über die Verwendung des eingesetzten Geldes. Für Unternehmen ist das eine Erleichterung:  Für eine Million Euro Kapital müsste man beispielsweise 1000 Investoren zu jeder Zeit Rede und Antwort stehen. Doch das Versprechen der Betreiberinnen scheint aufzugehen: Studien zeigen, dass bislang nur 10% aller  eingesetzten Mittel auf Crowd-Plattformen von Anlegerinnen verloren gingen.

Dennoch besitzt der Markt des Crowdfunding in Deutschland noch keine Größe, bei der man von einer Revolution der Kreditvergabe sprechen kann. Nur etwa 250 Millionen Euro wurden im Jahr 2017 auf diesen Online-Plattformen umgesetzt.

Crowdfinanzierung wird in diese vier Kategorien unterteilt:

Crowdinvesting

Die Anlegerin erhält eine gewinnabhängige Beteiligung an dem Unternehmen. Außer auf der der Online-Plattform veröffentlichte Informationen, hat sie jedoch kein Recht auf Mitsprache oder die weitere Offenlegung von Geschäftsberichten. Deswegen müssen Crowd-Investorinnen bei Schiffbruch des Unternehmens auch nicht für die Verluste haften.

Crowdlending

Crowdlending ist ein alter Hut im neuen digitalen Gewand. Online-Plattformen vermitteln zwar Kreditnehmer und Kreditgeberinnen, letztere müssen jedoch ihren Kredit bei einer klassischen Bank aufnehmen. Auf so einer Plattform kann man Investorinnen finden, die das Risiko des Kredits auf sich nehmen, dieses Geld aber nicht ihr Eigentum nennen.

Crowdrewarding

Als Investorin setzt man Geld ein, zurück erhält man einen ideellen Wert (engl. reward = Belohnung). Die Belohnung bedeutet nicht die höhere Renditezahl eines Unternehmens, sondern beispielsweise die Benennung eines Huhns nach seinem Namen. (Wenn man beispielsweise den Ausbau des Dachs eines Hühnerstalls von einem Bio-Bauernhof mitfinanziert hat.)

Crowddonating

Soziale, ehrenamtliche und kulturelle Non-Profit-Organisationen versuchen oft auf diesem virtuellen Weg ihre Vorhaben zu finanzieren. Als „Investorin“ spendet man, als Gegenwert erhält man die Realisierung des Projektinhaltes (z.B. das Einpflanzen von  fünf Mammutbäumen im Amazonasgebiet).

 

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