Kleine Geschichte des Internets

Nicht nur das Militär: Der Ursprung des Internets ist eng mit dem Gedanken einer weltweiten Universitätsbibliothek verknüpft

In den 60-ger und 70-ger Jahren waren die ersten rudimentären Internetknoten nur dem Militär in den USA vorbehalten. Das amerikanische Verteidigungsministerium hatte die Forschung von effizienten Datenübertragungen gefördert, denn Befehle sollten auch im Bombenhagel sicher ihre Empfängerinnen erreichen. In Zeiten des Kalten Krieges, wusste man nicht, welche Elemente der Infrastruktur ausfallen würden, wenn  Raketen erstmals auf amerikanischen Boden fallen würden.

Am Neujahrstag des 1. Januars 1983 entschied sich das US-Verteidigungsministerium, die Dynastie der Internetprotokollfamilie TCP/IP als gültigen Standard für die Übertragung von Daten festzulegen. Für die miteinander verbundenen Forschungszentren brauchte es eine klare Regel, damit ihre ausgetauschte Daten nicht ständig fehlerhaft ihr Ziel erreichten. TCP/IP ist bis heute der Standard, nachdem sich ein Datenpaket richten musste, wenn es durch ein Kupfer- oder Glasfaserkabel versandt werden will. Die Harmonisierung der Internetprotokolle, die Reduzierung der chaotischen Vielfalt auf eine stringenten Einheit, gilt heute als Meilenstein der Technikgeschichte.

 

Der Nerd aller Nerds.jpg
Der Nerd aller Nerds: Tim Berners Lee.

Das zivile Internet, wie wir es heute kennen, beruht jedoch auf dem Willen von energischen Professorinnen. Es waren Universitätsangehörige aus den USA und der Schweiz, die sich in den 90-ger Jahren für die Einrichtung eines elektronischen Archivs einsetzten.

1991 besuchte ein amerikanischer Physiker das in den Bergen gelegene schweizerische Atomforschungsinstitut CERN und kam begeistert mit der weltweiten Archiv-Idee im Gepäck an die Stanford Universität zurück. Am CERN hatte sich der britische Wissenschaftler Tim Berners Lee ein World-Wide-Web selbst gebastelt, mit der er es Kollegen ermöglichte, ihre Forschungsergebnisse noch schneller miteinander zu teilen. Lees weltweit erste WWW-Internetseite kann man hier noch anschauen:

https://www.w3.org/History/19921103-hypertext/hypertext/WWW/TheProject.html

Die Universitäten in der USA waren in den 90-ger Jahren die Ersten, die ihre Institutionen an das World Wide Web anschlossen. In Deutschland war bis 1994 die Universität Dortmund für die Vergabe der Namensrechten für die .de-Domains verantwortlich. Das Internet wurde weiter als amerikanisch-europäisches Projekt vorangetrieben.  Tim Berners Lee gründete das W3-Konsortium mit Unterstützung der Europäischen Kommission und die US-Regierung am MIT. Die Hauptaufgabe des Instituts ist bis heute die Verbesserung der WWW-Technologie.  Lee setzte sich als Leiter der Institution erfolgreich dafür ein, dass das Internet auf technischen Standards beruht, für die niemand Patentgebühren zahlen muss.

1994 gilt als Wendepunkt des Internets: Ab diesem Zeitpunkt war es auch für Normalsterbliche möglich, einen WWW-Server anzusteuern. 2000 explodierte dann die Dot Com-Blase. Spekulanten hatten zu hohe Gewinne auf Unternehmen gewettet, die mit den neuen digitalen Technologien experimentierten.  2011 begann der arabische Frühling. Den Revolten wird nachgesagt, sich über Twitter organisiert zu haben. Aus der kleinen Geschichte des Internets wird eine große Erzählung: Für das kommende Jahrzehnt wird prognostiziert, das jeder Gegenstand, vom Bibliotheksbuch bis zur Ampel, mit dem Internet vernetzt sein wird.

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