Gig-Economy

Die Gig-Economy bezeichnet die kurzlebige Form eines Arbeitsverhältnis, das sich in digitalen Verträgen manifestiert.

Laut dem International Institute for Finance sind im Stichjahr 2018 alle Unternehmen, Privathaushalte und Staaten auf dieser Erde mit 300% zusammen über dem weltweiten Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Das bedeutet es müsste pro Jahr  durchschnittlich noch zwei weitere Jahre mehr gearbeitet werden, um einen Ausgleich zwischen globalen Einkommen und Schulden zu erzielen. Die Gig-Economy verspricht, in Zeiten dieser risikoreichen Lage, einen permanenten Markt von Arbeitsmöglichkeiten.

Teilnehmen an diesem neuen Markt können die Nutzerinnen von  Online-Plattformen. Jede kann sich dort schnell ein Profil mit Foto und Lebenslauf erstellen und weltweit von  Unternehmen für Mikro-Aufträge angeschrieben werden. Bezahlt wird nach Auftrag, einem „Gig“. Das Internet fungiert dabei als globaler Basar und der Arbeitsmarkt ist nicht mehr national begrenzt, sondern global entgrenzt.

Die Plattformen streichen für die Vermittlung Provisionen ein. Das galt lange als bombensicheres Geschäft, siehe Amazon. Trotzdem ging der größte deutsche Plattformbetreiber, twago.de, 2013 kurzzeitig insolvent. Anscheinend sind auch digitale Pioniere nicht gegen die Verkettung dieser globalen Schuldenlast immun.

Arbeitsrechtlerinnen betrachten die Gig-Economy mit gerunzelter Stirn, denn Mindestlohn, Sozialversicherungsbeiträge und gewerkschaftliche Beteiligung sind in diesem Vertragsverhältnis nicht vorgesehen. Die Gig-Economy steht somit für einen „Paläo-Liberalismus“, die radikalste Form des Wirtschaftsliberalismus, die jegliche staatliche Beschränkung der Digitalwirtschaft zugunsten sozialer Absicherung für null und nichtig erklärt. Wegen den schnellebigen Vertragsverhältnissen wird die Gig-Economy von Kritikerinnen scherzhaft auch als „Hicks-Ökonomie“ bezeichnet.

 

Young woman using laptop in hammock on beach
Digitale Nomadinnen.

 

Die Marktstrukturen der Gig-Economy entsprechen vorallendingen dem Bedűrfnis nach Freiheit. Freelancer können sich entscheiden, ob sie das WLAN-Gerät am Polarkreis oder unter der Sonne am Äquator fűr die Arbeitszeit nutzen wollen.  Arbeiten „von der Hängematte aus“, per Mausklick eine freie Entscheidung zu treffen, ob Aufträge an- oder abgelehnt werden, das ist ein unbestreitbarer Vorteil fűr freiheitliebende Berufstätige.  Deutsche Mittelstandsunternehmen können da meistens nicht mithalten, denn hierarchische Arbeitsplatzstrukturen lehnen die meisten digitalen Nomadinnen ab. Durch Geo-Arbritage lassen sich Nutzerinnen der Gig-Economy ihr Gehalt in starkem Dollar oder Euro auszahlen, um dadurch ihr Leben in Co-Working-Spaces in Ländern mit schwacher Währung zu finanzieren.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Heidi Dittmann von der Universität Weimar spricht hierbei von einem neuen Paradoxon der Millenials:  junge Menschen sind die häufigsten Nutzerinnen der Gig-Economy, obwohl sie häufig eine starke kapitalismuskritische Haltung aufzeigen.

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