Plattform-Ökonomie

Plattform-Ökonomie, das hört sich nach nach einem harmlosen Zustand der Wirtschaft an. Man denkt an eine hölzerne Scheibe, die hoch oben von einem Baumstamm als Ausgangsposition für eine Seilbahn nach unten zu dem Abenteuerspielplatz dient. Wer auf dieser Plattformscheibe hoch oben von einem Baum herunterblickt, der hat einen Überblick über die Spielgeräte und Menschen, die zwischen ihnen herumwuseln. Genau das ist der Ausgangszustand in der Plattform-Ökonomie. Es gibt eine Plattform, z.B. eBay oder AirBnB, und dessen Eigentümerin überblickt alle  anderen individuellen Marktteilnehmer. Die Plattform ist nämlich – anders als auf dem Abenteurspielplatz – ein geographisch unbegrenzter Ort, auf dem sich Menschen treffen, um zu kaufen und zu verkaufen. Dort lernt man sich kennen, bietet seine Ware feil, kommt, um zu handeln, zu schwatzen und die Angebote zu vergleichen. Hier bedeutet „Marktplatz“  nicht der samstägliche  Gemüse- und Obstmärkte auf dem Kopfsteinpflaster vor dem  Kirchturm, sondern die virtuelle Visualisierung der Kaufoption von Bananen 24 Stunden pro Tag.

Der Knackpunkt ist, dass die Eigentümerinnen der Plattformen selbst keine Produkte verkaufen. Sie stellen nur den Kontakt zwischen Käuferin und Verkäuferin her, manchmal nehmen sie dabei Provision. Diese Kontaktanbahnung nennt sich „per Email registrieren“ und die Kosten, die dabei anfallen, sind so gering wie ein Terrabyte Speicherplatz auf einem Server kostet.

 

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Unternehmertum im 21. Jahrhundert bedeutet nicht mehr Produkte herzustellen, sondern den Zugang zu Kaufoptionen einzelner Individuen zu ermöglichen. Dabei geht es auf diesen Plattformen nicht mehr nur um den Tausch gegen Geld, sondern auch um Teilen von Besitz  (Sharing Economy). Stand man früher bei REWE vor der Pinnwand im Supermarkt und las einen Zettel, auf dem sich jemand eine Nähmaschine ausleihen wollte, so ermöglich die Plattformökonomie, dass sich in ein paar Minuten zehn Menschen finden, die gemeinsam eine Nähmaschine anschaffen wollen. Da man diese meistens nur selten braucht, wechseln sich ihre Käuferinnen Reihum in der Nutzung dieses Geräts ab.

Plattformen werden von Kulturpessimistinnen inbrünstig gehasst und von Netzoptimistinnen leidenschaftlich geliebt. Wer nur die  Konsequenzen der Sharing Economy bewertet, der kann diese technischen Kontaktbörsen als Realisierung einer veritablen kommunistischen Utopie bewerten. Wer seinen Fokus auf globale Einkommensungleichheit richtet, der kritisiert die enorme Kapitalakkumulation einiger weniger Plattform-Eigentümerinnen.

Soziale Medien wie Facebook und Twitter können ebenfalls als Plattform-Ökonomien bezeichnet werden. Der Zweck dieser Plattformen ist nicht, dass Nutzer sich gegenseitig etwas verkaufen, sondern dass Werbung von Dritten zwischen ihre online-basierten Privatgespräche eingeblendet wird. Die sozialen Medien haben nicht den Image einer Shopping-Mall, sondern als Couchcafé, in dem man Menschen trifft und sich mit ihnen unterhält. In dieser Wohlfühlatmosphäre lässt sich besonders gut Werbebanner integrieren.

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