Schnittstelle

Eine Schnittstelle, das ist der Moment, in der die scharfe Klinge der Schere ein Blatt Papier in zwei Hälften zerteilt. Möchte man das die auseinandergeschnittenen Teile wieder exakt zusammenfügen, braucht man viel Klebstoff und akribische Genauigkeit.  Genau das ist das Wesen von Schnittstellen in der Informatik. In einem System sind viele verschiedene Elemente vorhanden, die nur miteinander über ihre Schnittstelle miteinander kommunizieren. Genauso wie es rote, gelbe und grüne Farben von Papier gibt, oder Bätter aus Pappe oder Seide, so ist jede Schnittstelle im Computer unterschiedlich gestaltet. Die Aufgabe von Schnittstellen ist es, Informationen möglichst reibungslos zu übertragen.

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Crowdfinanzierung

Seit Anbeginn der Digitalisierung verlieren Banken immer mehr die Vormachtstellung für das exklusive Verfügung von Geld: Crowdfinanzierung steht für die Demokratisierung der Kreditvergabe. 

Crowd bedeutet auf Englisch Schwarm. Wer heute ein Unternehmen gründen will, kann sich auf zahllosen Online-Portalen von einem Schwarm unterstützen lassen. Diese Gruppe setzt sich aus vielen kleinen Privatanlegerinnen zusammen. Der entscheidende Vorteil zur herkömmlichen Kapitalsuche, liegt darin, dass man als Unternehmerin geringe Geldbeiträge von sehr vielen Investorinnen einsammelt und damit nicht von einer einzigen großen Institut, wie der Bank, abhängig ist.

Mittels der Crowdfinanzierung, lassen sich Ideen von „durchgeknallten“ Gründungswilligen leichter finanzieren, die zwar bei der Kreditvergabe einer herkömmlichen Bank durchfallen würden, deren wilde Geschäftsideen jedoch durchaus disruptives Potential besitzen könnten. Die Digitalisierung des Bankensektors hilft also dem verkannten Genie.

Digitale Pioniere schwören auf die „Schwarmintelligenz“ dieser Finanzierungsmöglichkeit. Aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungshorizonte und Perspektiven innerhalb einer großen Gruppe von Menschen, würde die Crowd mit höherer Wahrscheinlichkeit in das gewinnversprechendste Unternehmen investieren. Wenn sich eine große Anzahl individueller Investorinnen  unabhängig für ein Unternehmen entscheide,  können das nur bedeuten, dass diese Investition tatsächlich erfolgsversprechender als eine andere ist.  Eine Bankbeamtin, die alleine eine Entscheidung für die Kreditvergabe treffen muss, wäre hier im Nachteil, denn ihr Erfolgsquotient für die tatsächliche Rückzahlung der Kredite läge unter Umständen geringer.

 

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Viele kleine Schwärmer unterstützen eine Unternehmensidee.

 

Unternehmen, die ihre Geschäftsidee crowdfinanzieren lassen, unterliegen auf der Plattform nicht denselben strengen Informationspflichten wie auf dem klassischen Kreditmarkt. Crowdfunding gehört zum Bereich des „grauen Kapitalmarkt“, das bedeutet, die dortigen Anlagegeschäfte sind nicht von der BaFin reguliert.  Gerade bei Kleinstbeträgen, liegt das Risiko für Anlegerinnen deutlich höher. Veräußern Firmen ihre Anteile auf den Plattformen jeweils unter 1000 Euro, besteht keine Verpflichtung zur Auskunft über die Verwendung des eingesetzten Geldes. Für Unternehmen ist das eine Erleichterung:  Für eine Million Euro Kapital müsste man beispielsweise 1000 Investoren zu jeder Zeit Rede und Antwort stehen. Doch das Versprechen der Betreiberinnen scheint aufzugehen: Studien zeigen, dass bislang nur 10% aller  eingesetzten Mittel auf Crowd-Plattformen von Anlegerinnen verloren gingen.

Dennoch besitzt der Markt des Crowdfunding in Deutschland noch keine Größe, bei der man von einer Revolution der Kreditvergabe sprechen kann. Nur etwa 250 Millionen Euro wurden im Jahr 2017 auf diesen Online-Plattformen umgesetzt.

Crowdfinanzierung wird in diese vier Kategorien unterteilt:

Crowdinvesting

Die Anlegerin erhält eine gewinnabhängige Beteiligung an dem Unternehmen. Außer auf der der Online-Plattform veröffentlichte Informationen, hat sie jedoch kein Recht auf Mitsprache oder die weitere Offenlegung von Geschäftsberichten. Deswegen müssen Crowd-Investorinnen bei Schiffbruch des Unternehmens auch nicht für die Verluste haften.

Crowdlending

Crowdlending ist ein alter Hut im neuen digitalen Gewand. Online-Plattformen vermitteln zwar Kreditnehmer und Kreditgeberinnen, letztere müssen jedoch ihren Kredit bei einer klassischen Bank aufnehmen. Auf so einer Plattform kann man Investorinnen finden, die das Risiko des Kredits auf sich nehmen, dieses Geld aber nicht ihr Eigentum nennen.

Crowdrewarding

Als Investorin setzt man Geld ein, zurück erhält man einen ideellen Wert (engl. reward = Belohnung). Die Belohnung bedeutet nicht die höhere Renditezahl eines Unternehmens, sondern beispielsweise die Benennung eines Huhns nach seinem Namen. (Wenn man beispielsweise den Ausbau des Dachs eines Hühnerstalls von einem Bio-Bauernhof mitfinanziert hat.)

Crowddonating

Soziale, ehrenamtliche und kulturelle Non-Profit-Organisationen versuchen oft auf diesem virtuellen Weg ihre Vorhaben zu finanzieren. Als „Investorin“ spendet man, als Gegenwert erhält man die Realisierung des Projektinhaltes (z.B. das Einpflanzen von  fünf Mammutbäumen im Amazonasgebiet).

 

Dienste & Operatoren

Dienste (engl. services) stellen Wegweiser im Labyrinth der Digitalisierung dar. Wenn man sich das Internet als Gestalt von Daniel Düsentrieb vorstellt, so sind Dienste das zugehörige „Helferlein“ , die kleine Glühlampe auf zwei Beinen, die ihm beim Zusammenschrauben der Technik hilft.

Dienste sind eine Sammlung von Operatoren.

Arbeitsanweisungen in der Digitaltechnik nennt man Operatoren. Dienste, als Bündel von Operatoren, veranlassen, dass eine bestimmte Aktion ausgeführt wird. Außerdem erstatten sie danach Bericht, ob die Aktion Erfolg hatte oder nicht. Wie die „Helferlein“-Glühlampe, die in den Donald Duck-Comics strahlend hell aufleuchtet, wenn sie Daniel Düsentrieb etwas mitzuteilen hatte.

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Diese Berichterstattung schützt vor Fehlern. Beispielsweise innerhalb der Internetübertragung: Wenn Daten durch das Internet transportiert werden, muss der Dienst der Schnittstelle der nächsten Schicht mitteilen, was dieser gerade erledigt hat. Sonst wüsste die Schnittstelle nicht, welche Daten überhaupt angekommen sind. In seinem Bericht gibt der Dienst der Schnittstelle genau Auskunft, welche Pakete in welche Daten zerlegt wurden: Groß oder kleine Pakete? Lange oder kurze Sequenzen? Ohne Dienste wäre das Internet nur ein großer chaotischer Haufen.

Ein Dienstprimitiv ist ein einzelner Operator.

Man kann sich einen Dienstprimitiv als einen Befehlsgeber vorstellen, der cholerisch seine Peitsche schwingt und dabei nur einen einzigen Befehl erteilt. Eine primitive Vorgehensweise also.

Die Verbindung zwischen einem Client und einem Server wird nur über Dienstprimitive geregelt. Der gesamte Dialog zwischen Client und Server kann man sich als Gespräch zwischen nacheinander hin- und hergeschickte Befehle vorstellen. Der Server ist dabei im stetigen Stand-By-Modus. Er fängt nur an zu arbeiten, wenn er eine entsprechende Anweisung vom einem aktiven Kommunikatonspartner erhält. Das ist der Client, beispielsweise die App auf einem Smartphone. Wenn wir die App „Vegetarisches Kochbuch“ antippen, um sie zu öffnen, sendet dieser Client eine Reihe an Dienstprimitiven an den Server, auf dem die vegetarischen Kochrezepte gespeichert sind. Um die Daten von dem Server abzurufen, verpackt der Client seine Befehle an den Server beispielsweise in folgende Operatoren: – VERBINDEN! – EMPFANGEN! – AUFHÖREN! (connect – receive – disconnect).

Kleine Geschichte des Internets

Nicht nur das Militär: Der Ursprung des Internets ist eng mit dem Gedanken einer weltweiten Universitätsbibliothek verknüpft

In den 60-ger und 70-ger Jahren waren die ersten rudimentären Internetknoten nur dem Militär in den USA vorbehalten. Das amerikanische Verteidigungsministerium hatte die Forschung von effizienten Datenübertragungen gefördert, denn Befehle sollten auch im Bombenhagel sicher ihre Empfängerinnen erreichen. In Zeiten des Kalten Krieges, wusste man nicht, welche Elemente der Infrastruktur ausfallen würden, wenn  Raketen erstmals auf amerikanischen Boden fallen würden.

Am Neujahrstag des 1. Januars 1983 entschied sich das US-Verteidigungsministerium, die Dynastie der Internetprotokollfamilie TCP/IP als gültigen Standard für die Übertragung von Daten festzulegen. Für die miteinander verbundenen Forschungszentren brauchte es eine klare Regel, damit ihre ausgetauschte Daten nicht ständig fehlerhaft ihr Ziel erreichten. TCP/IP ist bis heute der Standard, nachdem sich ein Datenpaket richten musste, wenn es durch ein Kupfer- oder Glasfaserkabel versandt werden will. Die Harmonisierung der Internetprotokolle, die Reduzierung der chaotischen Vielfalt auf eine stringenten Einheit, gilt heute als Meilenstein der Technikgeschichte.

 

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Der Nerd aller Nerds: Tim Berners Lee.

Das zivile Internet, wie wir es heute kennen, beruht jedoch auf dem Willen von energischen Professorinnen. Es waren Universitätsangehörige aus den USA und der Schweiz, die sich in den 90-ger Jahren für die Einrichtung eines elektronischen Archivs einsetzten.

1991 besuchte ein amerikanischer Physiker das in den Bergen gelegene schweizerische Atomforschungsinstitut CERN und kam begeistert mit der weltweiten Archiv-Idee im Gepäck an die Stanford Universität zurück. Am CERN hatte sich der britische Wissenschaftler Tim Berners Lee ein World-Wide-Web selbst gebastelt, mit der er es Kollegen ermöglichte, ihre Forschungsergebnisse noch schneller miteinander zu teilen. Lees weltweit erste WWW-Internetseite kann man hier noch anschauen:

https://www.w3.org/History/19921103-hypertext/hypertext/WWW/TheProject.html

Die Universitäten in der USA waren in den 90-ger Jahren die Ersten, die ihre Institutionen an das World Wide Web anschlossen. In Deutschland war bis 1994 die Universität Dortmund für die Vergabe der Namensrechten für die .de-Domains verantwortlich. Das Internet wurde weiter als amerikanisch-europäisches Projekt vorangetrieben.  Tim Berners Lee gründete das W3-Konsortium mit Unterstützung der Europäischen Kommission und die US-Regierung am MIT. Die Hauptaufgabe des Instituts ist bis heute die Verbesserung der WWW-Technologie.  Lee setzte sich als Leiter der Institution erfolgreich dafür ein, dass das Internet auf technischen Standards beruht, für die niemand Patentgebühren zahlen muss.

1994 gilt als Wendepunkt des Internets: Ab diesem Zeitpunkt war es auch für Normalsterbliche möglich, einen WWW-Server anzusteuern. 2000 explodierte dann die Dot Com-Blase. Spekulanten hatten zu hohe Gewinne auf Unternehmen gewettet, die mit den neuen digitalen Technologien experimentierten.  2011 begann der arabische Frühling. Den Revolten wird nachgesagt, sich über Twitter organisiert zu haben. Aus der kleinen Geschichte des Internets wird eine große Erzählung: Für das kommende Jahrzehnt wird prognostiziert, das jeder Gegenstand, vom Bibliotheksbuch bis zur Ampel, mit dem Internet vernetzt sein wird.

Gig-Economy

Die Gig-Economy bezeichnet die kurzlebige Form eines Arbeitsverhältnis, das sich in digitalen Verträgen manifestiert.

Laut dem International Institute for Finance sind im Stichjahr 2018 alle Unternehmen, Privathaushalte und Staaten auf dieser Erde mit 300% zusammen über dem weltweiten Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Das bedeutet es müsste pro Jahr  durchschnittlich noch zwei weitere Jahre mehr gearbeitet werden, um einen Ausgleich zwischen globalen Einkommen und Schulden zu erzielen. Die Gig-Economy verspricht, in Zeiten dieser risikoreichen Lage, einen permanenten Markt von Arbeitsmöglichkeiten.

Teilnehmen an diesem neuen Markt können die Nutzerinnen von  Online-Plattformen. Jede kann sich dort schnell ein Profil mit Foto und Lebenslauf erstellen und weltweit von  Unternehmen für Mikro-Aufträge angeschrieben werden. Bezahlt wird nach Auftrag, einem „Gig“. Das Internet fungiert dabei als globaler Basar und der Arbeitsmarkt ist nicht mehr national begrenzt, sondern global entgrenzt.

Die Plattformen streichen für die Vermittlung Provisionen ein. Das galt lange als bombensicheres Geschäft, siehe Amazon. Trotzdem ging der größte deutsche Plattformbetreiber, twago.de, 2013 kurzzeitig insolvent. Anscheinend sind auch digitale Pioniere nicht gegen die Verkettung dieser globalen Schuldenlast immun.

Arbeitsrechtlerinnen betrachten die Gig-Economy mit gerunzelter Stirn, denn Mindestlohn, Sozialversicherungsbeiträge und gewerkschaftliche Beteiligung sind in diesem Vertragsverhältnis nicht vorgesehen. Die Gig-Economy steht somit für einen „Paläo-Liberalismus“, die radikalste Form des Wirtschaftsliberalismus, die jegliche staatliche Beschränkung der Digitalwirtschaft zugunsten sozialer Absicherung für null und nichtig erklärt. Wegen den schnellebigen Vertragsverhältnissen wird die Gig-Economy von Kritikerinnen scherzhaft auch als „Hicks-Ökonomie“ bezeichnet.

 

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Digitale Nomadinnen.

 

Die Marktstrukturen der Gig-Economy entsprechen vorallendingen dem Bedűrfnis nach Freiheit. Freelancer können sich entscheiden, ob sie das WLAN-Gerät am Polarkreis oder unter der Sonne am Äquator fűr die Arbeitszeit nutzen wollen.  Arbeiten „von der Hängematte aus“, per Mausklick eine freie Entscheidung zu treffen, ob Aufträge an- oder abgelehnt werden, das ist ein unbestreitbarer Vorteil fűr freiheitliebende Berufstätige.  Deutsche Mittelstandsunternehmen können da meistens nicht mithalten, denn hierarchische Arbeitsplatzstrukturen lehnen die meisten digitalen Nomadinnen ab. Durch Geo-Arbritage lassen sich Nutzerinnen der Gig-Economy ihr Gehalt in starkem Dollar oder Euro auszahlen, um dadurch ihr Leben in Co-Working-Spaces in Ländern mit schwacher Währung zu finanzieren.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Heidi Dittmann von der Universität Weimar spricht hierbei von einem neuen Paradoxon der Millenials:  junge Menschen sind die häufigsten Nutzerinnen der Gig-Economy, obwohl sie häufig eine starke kapitalismuskritische Haltung aufzeigen.

Smart Grid

Smart Grid, das „intelligente Speichernetz“ bezeichnet die Digitalisierung der Energiebranche.

Dieses digitale Speichernetz ist ein wesentlicher Bestandteil des Internet of Things (IoT), besser gesagt Internet of Everything. Jeder materielle Gegenstand, den wir in der Hand halten oder anfassen können, ist mit dem Weltgedächtnis des Internets verknüpft. Das bedeutet, die Solarlampe neben dem Gartenweg ist an dasselbe Netz angebunden, in das auch die Offshore-Windräder an der brausenden schottischen Meeresküste Strom einspeisen.

Von Ökonom Jeremy Rifkin als „dritte industrielle Revolution“ betitelt, steht das intelligente Speichernetz für die Gleichberechtigung von kleinen und großen Stromerzeugerinnen. Smart Grid löst das Problem, das immer mehr größere und kleinere Kraftwerke auf dieser Welt vorhanden sind, die im gleichen Netz zusammenhängen, aber zu unterschiedlichen Uhrzeiten mal mehr, mal weniger Elektrizität erzeugen.

Ein Windrad produziert beispielsweise nur Energie, wenn der Wind weht, ein Wasserkraftwerk dagegen 24 Stunden pro Tag. In der Nähe des Wasserkraftwerkes steht somit massenhaft Strom zur Verfügung, viel mehr als die Haushalte der umliegenden Dorfbewohnerinnen wirklich brauchen. Anwohnerinnen, die hingegen neben Feldern mit  Windrädern wohnen, erhalten dagegen theoretisch nur genügend Strom, wenn Orkan Frederike vorbeizieht.

Aus diesem Grund bestimmen Algorithmen die Energieversorgung. Sie sorgen dafür, dass das Stromnetz nicht überbelastet oder unterbelastet ist.  Die algorithmischen Dirigenten steuern, welches Kraftwerk wieviel Energie dem allgemeinen Netz zur Verfügung stellt. Wenn die Solarzellen auf dem eigenen Hausdach über den Eigenbedarf hinaus Strom produzieren, können Privathaushalte diesen dem Smart Grid automatisch für die weitere Verteilung zur Verfügung stellen. Der Begriff Smart Grid steht somit für  mehr Effizienz. Diese Speichernetze koordinieren die maximale Kapazitätsauslastung des Stromnetz, von der Endverbraucherin bis zur Kraftwerksbetreiberin. Smart Grids geben zum Beispiel dem Wasserkraftwerk Bescheid, weniger Strom zu produzieren, wenn die Sonne scheint und die Solarzellen viel Energie erzeugen.

SmartGrid

 

Die „Ära der klugen Gitter“ steht für digitale Dezentralisierung der Energiebranche. Der Strom wird nicht mehr zentral von einem einzigen Kraftwerksbetreiber, z.B. einem großen Atomkraftwerk, zu vielen unterschiedlichen Haushalten gesandt, sondern viele Energieerzeugerinnen teilen sich den Strom untereinander. Smart Grid rüstet die konventionellen Stromleitungen damit zu einem „Info-Energie-Netz“ auf, in dem ständig Informationen dieser Mikro-Kraftwerke ausgetauscht werden.

Plattform-Ökonomie

Plattform-Ökonomie, das hört sich nach nach einem harmlosen Zustand der Wirtschaft an. Man denkt an eine hölzerne Scheibe, die hoch oben von einem Baumstamm als Ausgangsposition für eine Seilbahn nach unten zu dem Abenteuerspielplatz dient. Wer auf dieser Plattformscheibe hoch oben von einem Baum herunterblickt, der hat einen Überblick über die Spielgeräte und Menschen, die zwischen ihnen herumwuseln. Genau das ist der Ausgangszustand in der Plattform-Ökonomie. Es gibt eine Plattform, z.B. eBay oder AirBnB, und dessen Eigentümerin überblickt alle  anderen individuellen Marktteilnehmer. Die Plattform ist nämlich – anders als auf dem Abenteurspielplatz – ein geographisch unbegrenzter Ort, auf dem sich Menschen treffen, um zu kaufen und zu verkaufen. Dort lernt man sich kennen, bietet seine Ware feil, kommt, um zu handeln, zu schwatzen und die Angebote zu vergleichen. Hier bedeutet „Marktplatz“  nicht der samstägliche  Gemüse- und Obstmärkte auf dem Kopfsteinpflaster vor dem  Kirchturm, sondern die virtuelle Visualisierung der Kaufoption von Bananen 24 Stunden pro Tag.

Der Knackpunkt ist, dass die Eigentümerinnen der Plattformen selbst keine Produkte verkaufen. Sie stellen nur den Kontakt zwischen Käuferin und Verkäuferin her, manchmal nehmen sie dabei Provision. Diese Kontaktanbahnung nennt sich „per Email registrieren“ und die Kosten, die dabei anfallen, sind so gering wie ein Terrabyte Speicherplatz auf einem Server kostet.

 

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Unternehmertum im 21. Jahrhundert bedeutet nicht mehr Produkte herzustellen, sondern den Zugang zu Kaufoptionen einzelner Individuen zu ermöglichen. Dabei geht es auf diesen Plattformen nicht mehr nur um den Tausch gegen Geld, sondern auch um Teilen von Besitz  (Sharing Economy). Stand man früher bei REWE vor der Pinnwand im Supermarkt und las einen Zettel, auf dem sich jemand eine Nähmaschine ausleihen wollte, so ermöglich die Plattformökonomie, dass sich in ein paar Minuten zehn Menschen finden, die gemeinsam eine Nähmaschine anschaffen wollen. Da man diese meistens nur selten braucht, wechseln sich ihre Käuferinnen Reihum in der Nutzung dieses Geräts ab.

Plattformen werden von Kulturpessimistinnen inbrünstig gehasst und von Netzoptimistinnen leidenschaftlich geliebt. Wer nur die  Konsequenzen der Sharing Economy bewertet, der kann diese technischen Kontaktbörsen als Realisierung einer veritablen kommunistischen Utopie bewerten. Wer seinen Fokus auf globale Einkommensungleichheit richtet, der kritisiert die enorme Kapitalakkumulation einiger weniger Plattform-Eigentümerinnen.

Soziale Medien wie Facebook und Twitter können ebenfalls als Plattform-Ökonomien bezeichnet werden. Der Zweck dieser Plattformen ist nicht, dass Nutzer sich gegenseitig etwas verkaufen, sondern dass Werbung von Dritten zwischen ihre online-basierten Privatgespräche eingeblendet wird. Die sozialen Medien haben nicht den Image einer Shopping-Mall, sondern als Couchcafé, in dem man Menschen trifft und sich mit ihnen unterhält. In dieser Wohlfühlatmosphäre lässt sich besonders gut Werbebanner integrieren.